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<card id="card12" title="Die Erste Elegie V">
<p>
Seltsam, die Wuensche nicht weiter zu wuenschen. Seltsam,/
<br/> alles, was sich bezog, so lose im Raume/
<br/> flattern zu sehen. Und das Totsein ist muehsam/
<br/> und voller Nachholn, dass man allmaehlich ein wenig/
<br/> Ewigkeit spuert. - Aber Lebendige machen/
<br/> alle den Fehler, dass sie zu stark unterscheiden./
<br/> Engel (sagt man) wuessten oft nicht, ob sie unter/
<br/> Lebenden gehn oder Toten. Die ewige Stroemung/
<br/> reisst durch beide Bereiche alle Alter/
<br/> immer mit sich und uebertoent sie in beiden./
</p>
<p>
Schliesslich brauchen sie uns nicht mehr, die Frueheentrueckten,/
<br/>man entwoehnt sich des Irdischen sanft, wie man den Bruesten/
<br/>milde der Mutter entwaechst. Aber wir, die so grosse/
<br/>Geheimnisse brauchen, denen aus Trauer so oft/
<br/>seliger Fortschritt entspringt -: koennten wir sein ohne sie?/
<br/>Ist die Sage umsonst, dass einst in der Klage um Linos/
<br/>wagende erste Musik duerre Erstarrung durchdrang;/
<br/>dass erst im erschrockenen Raum, dem ein beinah goettlicher Juengling/
<br/>ploetzlich fuer immer enttrat, das Leere in jene/
<br/>Schwingung geriet, die uns jetzt hinreisst und troestet und hilft.
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<a href="rilke.wml">Rilke-Index</a><br/>
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