Wenn man von den Einsamen spricht, setzt man immer zuviel voraus. Man
meint, die Leute wüßten, um was
es sich handelt. Nein, sie wissen es nicht. Sie haben nie einen
Einsamen gesehen, sie haben ihn nur gehaßt, ohne ihn zu
kennen. Sie sind seine Nachbaren gewesen, die ihn aufbrauchten, und
die Stimmen im Nebenzimmer, die ihn versuchten. Sie haben die Dinge
aufgereizt gegen ihn, daß sie lärmten und ihn
übertönten. Die Kinder verbanden sich wider ihn, da er zart
und ein Kind war, und mit jedem Wachsen wuchs er gegen die Erwachsenen
an. Sie spürten ihn auf in seinem Versteck wie ein jagdbares
Tier, und seine lange Jugend war ohne Schonzeit. Und wenn er sich
nicht erschöpfen ließ und davonkam, so schrieen sie
über das,
was von ihm ausging, und nannten es häßlich und
verdächtigten es. Und hörte er nicht darauf, so wurden sie
deutlicher und aßen ihm sein Essen weg und atmeten ihm seine
Luft aus und spieen in seine Armut, daß sie ihm widerwärtig
würde. Sie brachten Verruf über ihn wie über einen
Ansteckenden und warfen ihm Steine nach, damit er sich rascher
entfernte. Und sie hatten recht in ihrem alten Instinkt: denn er war
wirklich ihr Feind.
Aber dann, wenn er nicht aufsah, besannen sie sich. Sie ahnten,
daß sie ihm mit alledem seinen Willen taten; daß sie ihn
in seinem Alleinsein bestärkten und ihm halfen, sich abzuscheiden
von ihnen für immer. Und nun schlugen sie um und wandten das
Letzte an, das Äußerste, den anderen
Widerstand: den Ruhm. Und bei diesem Lärmen blickte fast jeder
auf und wurde zerstreut.
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