brief gesucht mit zitat mein inneres gärtnern war herrlich

Persönliche Briefe an Freunde, Geliebte, Bekannte

Moderatoren: sedna, Barbara, Thilo

brief gesucht mit zitat mein inneres gärtnern war herrlich

Beitragvon Daniel » 2. Aug 2008, 18:13

Hallo,

aus welchem Brief stammt das Rilke Zitat: Mein inneres Gärtnern war herrlich ... und wie geht es weiter ?

Daniel 8)
Daniel
 
Beiträge: 4
Registriert: 29. Jun 2008, 16:34

Re: brief gesucht mit zitat mein inneres gärtnern war herrlich

Beitragvon stilz » 11. Aug 2008, 15:11

Hallo Daniel,

leider weiß ich auch nicht, aus welchem Brief das ist, aber hier habe ich ein bisserl mehr gefunden:
Mein inneres Gärtnern war herrlich diesen Winter. Das plötzlich wieder heile Bewusstsein meiner tief bestellten Erde ergab mir eine große Jahreszeit des Geistes und eine lange nicht mehr gekannte Stärke des Herzstrahls.

Das ist ein sehr interessanter Gedanke - der Winter als "Jahreszeit des Geistes"...

Lieben Gruß

stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)
stilz
 
Beiträge: 1013
Registriert: 26. Okt 2004, 10:25
Wohnort: Klosterneuburg

Re: brief gesucht mit zitat mein inneres gärtnern war herrlich

Beitragvon Barbara » 11. Aug 2008, 19:02

Hallo,

auch ich habe ein bisschen recherchiert und folgendes herausgefunden: der Brief ist vom 19. Mai 1922 an Lisa Heise. Im Zusammenhang liest sich das Zitat so:

Mein inneres Gärtnern war herrlich diesen Winter. Das plötzlich wieder heile Bewusstsein meiner tief bestellten Erde ergab mir eine große Jahreszeit des Geistes und eine lange nicht mehr gekannte Stärke des Herzstrahles. Die mir über alles lieben (1912 in großartiger Einsamkeit begonnen und seit 1914 fast ganz unterbrochenen) Arbeiten konnten wieder aufgenommen -, konnten, unter unendlicher Fähigkeit, zu Ende gebracht werden. - Daneben ging eine kleine Arbeit her, fast ungewollt, ein Nebenstrom, über fünfzig Sonette, die Sonette an Orpheus genannt, und geschrieben als ein Grabmal für eine jung verstorbenes Mädchen. (Sieben daraus hab ich für Sie in ein kleines Heft eingetragen, das ich hier beifüge.) Wäre diese Auswahl größer geworden, oder könnte ich Ihnen die andere, die große Hauptarbeit vorlegen, - Sie würden merken, wie, an manchen Stellen, die Ergebnisse unserer Winter einander ähnlich sind. Sie schreiben von dem in jedem Moment schon Erfülltsein, schon Überreichsein des inneren Daseins, von einem (wenn man nur recht zusieht) alle später möglichen Entbehrungen und Verluste schon von vornherein überwiegenden und gleichsam widerlegenden - Besitz. - Genau dies habe ich diesen langen Winter in der Tiefe meiner Arbeit erfahren, mehr und unwiderruflicher, als ich es bisher wußte: daß das Leben jedem späteren Armwerden mit den seine Maße übertrefflichsten Reichtümern schon längst zuvorgekommen sei. - Was also bliebe zu fürchten ? - Nur, daß man dies vergäße! Aber um uns, in uns, wieviel Hülfen zur Erinnerung!


Im gleichen Brief heisst es:

Ihr ganzer mühsamer und unerbittlicher Winter, in seiner Härte, muß wie eine Art gefrorener Frohheit gewesen sein, ein Block reiner starker Zukunft, der sich nun gelöst hat (wünsch ich), flutend, rauschend, in den Frühling hinein.


Barbara :D
Barbara
 
Beiträge: 489
Registriert: 30. Dez 2003, 17:54
Wohnort: Stuttgart Bad Cannstatt


Zurück zu Persönliche Briefe

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste