von helle » 4. Nov 2006, 21:37
Ja, aber so, mit einem Hinweis auf die fünf Gedichte allein (die allerdings heftig sind und die Rilke selbst schon wenig später in Frage gestellt hat) oder der vorangegangenen Äußerung über seine "Sehnsucht nach Totalität" (wer hätte denn keine Sehnsucht nach Totalität?) ist es nicht getan, das macht man sich's nicht nur zu leicht, das ist einfach falsch. Wer sich mit Rilkes Auffassungen über den Ersten Weltkrieg beschäftigt, findet jede Menge Briefe, die zeigen, wie "namenlos" er unter dem Krieg und seiner Propaganda gelitten hat, auch Jahre danach noch, es gibt doch kaum einen Brief, der nicht von dieser Erschütterung zeugt, die viele Konsequenzen hat, schwere Melancholien, Schreibhemmungen, der erzwungene Abbruch der starken und vielfältigen Beziehungen nach Frankreich, und der nicht von der Trauer spricht über Freunde und Bekannte, die gefallen sind, die Freunde Paul von Leyserlingk oder Norbert von Hellingrath, der so viel für die Hölderlin-Aufnahme in Deutschland getan hat, auch Trakl oder der junge, Rilke nahe stehende Dichter Bernhard von der Marwitz, oder Franz Marc oder ein anderer, von R. ebenso hoch geschätzter junger Maler, Goetz von Seckendorff usw. usf.; x-Beispiele könnte man anführen, damit fange ich gar nicht erst an, aber ich empfehle die Lektüre von Rilkes Briefen der Jahre 1914-1921, da sollte man ein paar Seiten lesen, bevor man die Sache abschließend beurteilt, soviel Fairneß muß sein
meint helle