Frage zu "Der Drachentöter"

Ewald Tragy, Die Turnstunde, Geschichten vom lieben Gott und weitere Erzählungen

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Frage zu "Der Drachentöter"

Beitragvon Carlo » 13. Feb 2005, 15:38

Hallo,

ich habe gerade das Märchen "Der Drachentöter" von R.M. Rilke gelesen. Meine Frage: Warum vergißt der Held am Schluß seinen Preis - die schöne Prinzessin ?

"...Der greise König aber saß, ernst und würdig, im hohen Thronsaal. Die alten Paladine des Reiches standen um ihn und glänzten. Er wartete auf den fremden Helden, den Befreier.

Der aber ritt schon weit von der Stadt, und es war ein Himmel voll Lerchen über ihm. Hätte ihn jemand an den Preis seiner Tat erinnert, vielleicht wäre er lachend umgekehrt; er hatte ihn ganz vergessen."
(Rainer Maria Rilke: Der Drachentöter)

Viele Grüße von Carlos
Carlo
 

Beitragvon e.u. » 13. Feb 2005, 15:52

Hallo,
vielleicht hat das mit Rilkes Auffassung von der Liebe zu tun, für die der Anlass (hier: der Preis) ganz nebensächlich geworden ist und damit vergessen wird. Der 'heilige' Drachentöter hat sein übliches Ziel (den Besitz des Preises) längst hinter sich gelassen, seine Tat übersteigt sie bei weitem. Das ist sein Auftrag. Der andere Auftrag, ist lächerlich, wie man am Schluss der Erzählung sieht.
Damit kehrt Rilke der traditionellen christlichen Legende den Rücken zu. Vielleicht ist das überhaupt der Anlass diese Geschichte noch einmal zu erzählen - wie es ja auch bei der Geschichte vom verlorenen Sohn der Fall gewesen ist.
Aber vielleicht kann man das auch ganz anders erklären. Irritierend ist die Geschichte allemal.
e.u.
e.u.
 
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