Willkommen im Forum, snydersmartin,
snydersmartin hat geschrieben:Stimmt die Geschichte um Rilkes Tod durch Leukämie durch einen Rosendornenstich?
ergänzend zu gliwis Vermutung in dem von stilz dankenswerterweise schon verlinkten, sehr ergiebigen Rosen-Faden, findet sich in dem durchaus lesenswerten Buch
Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Nikos Kazantzakis Lebens-Leidens-Jahre mit Leukämie von Michael und Renate Hertl noch eine medizinische Erklärung dazu:
„Medizinisch gesehen, bedeutet aber die schwere Handinfektion einen neuen Krankheitsschub auf dem Weg zur vollen Ausprägung der Leukämie. Man kann natürlich nicht der fast romantischen Ursachenfindung folgen, Rilke sei an den Rosen gestorben. Aber Rosen sind eine mittelbare Ursache. Durch die Wunde kommen Bakterien ins Gewebe, sie führen zu einer lokalen Entzündung. Auf gleichem Weg kommen sie auch ins Blut und damit in den gesamten Körper. Nur so kann auch die Infektion der rechten Hand, die unter einem Nagel liegt, erklärt werden. Diese septische Generalisierung belastet das Abwehrsystem des Körpers maximal. Sie fordert – ein Notfall! – eine Verstärkung der Abwehrfront durch Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Das Knochenmark, das diese bildet, ist zu einer Funktionssteigerung dringend aufgefordert. Im ersten Schritt antwortet es mit einer Vermehrung der unreifen Stammzellen. Normalerweise müßten sich diese zu reifen Leukozyten weiterentwickeln, die dann funktionstüchtig die Abwehr der bakteriellen Infektionsträger übernehmen. Diese Ausreifungsmöglichkeit ist aber dem Leukämie-Knochenmark versagt. Unreife Zellen sind in Menge produziert, die reifen gibt es nur vereinzelt oder gar nicht. Aus den offenen Knochenmarksschranken, die die Abwehrforderung der Infektion geöffnet hat, werden statt der benötigten reifen Zellen unreife in Masse ins Blut ausgeschwemmt. Untersucht man jetzt den Blutausstrich, drängt sich die Diagnose Leukämie geradezu auf.“
snydersmartin hat geschrieben:Weiß aber jemand, woher diese Liebe zur Rose kam? Gab es bei Rilke vielleicht sogar einen speziellen Moment, aufgrund dessen er Gedichte über Rosen schrieb?
Etwas richtig Fundiertes habe auch ich im Moment nicht parat. Einen Anhaltspunkt bietet Dir vielleicht
dieses Beispiel hierDas Werk des dänischen Dichters Jens Peter Jacobsen übte einen sehr nachhaltigen Einfluss auf Rilke aus. Ein Brief Rilkes an Nanny Wunderly-Volkart vom 20.1.1920 beginnt:
„«Die erste schöne ... ganz ruhige Nacht», Liebe:
Dank, ich feiers mit meinen Rosen. Mit meinen schönen Rosen. Die sind diesmal nicht mehr durch so viel Frost gereist, das sah man ihnen an, noch stehen sie tief im Wasser, sind aber schon so erholt, daß sie heute noch in die Urne übersiedeln dürfen, die immer bescheidentlich abseits gestanden hat. In der Mitte der Kommode herrscht immer noch das runde rundeste aller Körbchen, aber nun werden die Rosen in der Mitte sein. [...]“
... und endet mit der Empfehlung:
„Lesen Sie: ‹Hier sollten Rosen stehen›. J.P. Jacobsen. In
meinem Sessel! R.“
Es findet sich bei ihm also in sehr viele Richtungen Inspiration ...

Weiterhin viel Freude mit Rilke
sedna