(Vielleicht nicht zu spät für eine andere Hochzeit ...

)
An Emanuel von Bodman, Westerwede bei Bremen, am 17. August 1901:
"Ein
Miteinander zweier Menschen ist eine Unmöglichkeit und, wo es doch vorhanden scheint, eine Beschränkung, eine gegenseitige Übereinkunft, welche einen Teil oder beide Teile ihrer vollsten Freiheit und Entwicklung beraubt. Aber, das Bewußtsein vorausgesetzt, daß auch zwischen den
nächsten Menschen unendliche Fernen bestehen bleiben, kann ihnen ein wundervolles Nebeneinanderwohnen erwachsen, wenn es ihnen gelingt, die Weite zwischen sich zu lieben, die ihnen die Möglichkeit gibt, einander immer in ganzer Gestalt und vor einem großen Himmel zu sehen!"
Aber aber ... und fast noch besser — ein Stückchen davor schreibt er recht vergnügt:
"Es fällt niemandem ein, von einem einzelnen zu verlangen, daß er "glücklich" sei, — heiratet aber einer, so ist man sehr erstaunt, wenn er es
nicht ist! (Und dabei ist es wirklich gar nicht wichtig glücklich zu sein, weder als einzelner noch als Verheirateter.)"
(Zu finden in: RMR, Briefe und Tagebücher aus der Frühzeit 1899 – 1902, Leipzig: Insel Verlag 1931, S. 106-108)
sedna