Night of Roses

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Rilke Fan
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Night of Roses

Beitrag von Rilke Fan » 9. Jun 2003, 02:50

Hallo,

Noch einmal. Weiss jemand aus welchem Buch dieses Gedicht von Rilke stammt? (Ich hätte es auch gerne in Deutsch.) Vielen, vielen Dank! Linda :roll:

[Night of Roses]

Today I want, for your sake, to feel
roses; to feel roses for your sake alone;
for your sake today I want for long, long
hours to feel roses unfelt, roses.

All bowls are filled; they lie
each in itself one hundredfold,
like valleys filled out by other valleys,
within themselves they lie, overburdened.

As unspeakable as the night
they overburden one who offers,
like stars above the plains
they overwhelm with pomp.
Rose-night, Rose-night.
Night of roses, night of many, many
bright roses, bright night of roses,
sleep of the rose-eyelids, the thousand,
bright rose-sleep, I am your sleeper:
Bright sleeper of your odors, deep
sleeper of your cool ardors.
As I, dwindling, give myself to you,
now you have my being to oppose.
May my fate dissolve into your
most incomprehensible Composure,
and the thrust of my unfolding
nowhere know an obstacle.
Rose-space, born within roses,
in roses secretly raised,
and from the open roses granted us
large as heart-space, that we may outside,
as well, feel within the Space of Roses.

Gast

Beitrag von Gast » 9. Jun 2003, 14:39

Das Gedicht ist im Juli 1914 entstanden. Ein Entwurf (weicht nur wenig in Strophengliederung und Interpunktion ab) ist im Insel-Almanach 1953 veröffentlicht. Dort (S.157-158) mit der Überschrift 'Ein Gedicht aus dem Nachlaß'. Der Text wurde dann in den Band 'Gedichte 1906-1926 aufgenommen.
Es ist ein Widmungsgedicht für Dagny Gulbransson, die Frau des norwegischen Zeichners und Tochter von B.Björnson.

Heute will ich dir zu Liebe Rosen
fühlen, Rosen fühlen dir zu Liebe,
dir zu Liebe heute lange lange
nicht gefühlte Rosen fühlen: Rosen.

Alle Schalen sind gefüllt; sie liegen
in sich selber, jede hundert Male, -
wie von Talen angefüllte Tale
liegen sie in sich und überwiegen.

So unsäglich wie die Nacht
überwiegen sie den Hingegebnen,
wie die Sterne über Ebnen
überstürzen sie mit Pracht.
Rosennacht, Rosennacht.

Nacht aus Rosen, Nacht aus vielen vielen
hellen Rosen, helle Nacht aus Rosen,
Schlaf der tausend Rosenaugenlider:
heller Rosen-Schlaf, ich bin dein Schläfer.

Heller Schläfer deiner Düfte; tiefer
Schläfer deiner kühlen Innigkeiten.
Wie ich mich dir schwindend überliefer
hast du jetzt mein Wesen zu bestreiten;

sei mein Schicksal aufgelöst
in das unbegreifliche Beruhen,
und der Trieb, sich aufzutuen,
wirke, der sich nirgends stößt.

Rosenraum, geboren in den Rosen,
in den Rosen heimlich auferzogen,
und aus offnen Rosen zugegeben
groß wie Herzraum: daß wir auch nach draußen
fühlen dürfen in dem Raum der Rosen.

Ach, manchmal habe ich den Eindruck, Rilke hätte in den fünfziger Jahren auch als Textdichter beim San Remo Festival teilnehmen können. Auch dort reimte man unendlich "rose" auf "cose" ....

Rilke Fan
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Beitrag von Rilke Fan » 9. Jun 2003, 15:59

Hallo, unbekannter Gast!

Ganz herzlichen Dank für das Gedicht in Deutsch!

Gruß! Linda :lol:

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