30.000 Briefe ?

Persönliche Briefe an Freunde, Geliebte, Bekannte

Moderatoren: Thilo, stilz

gliwi
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Beitrag von gliwi » 24. Aug 2006, 10:53

Noch mal ganz kurz off-topic: Ha! Was lesen wir heute als oberste Schlagzeile der neuen ZEIT? "Wir brauchen einen neuen Feminismus"!!! Bin dabei, Mädels.
Und zurück zum Thema
gliwi :) :wink:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

Andrea
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Beitrag von Andrea » 24. Aug 2006, 15:11

Wer Sätze bloß nach Substantiven liest. Es lohnt sich, sie ganz zu lesen. Zentral im Satz ist wohl, außer brauchen, das kleine Wörtchen neu. Und dann kann man endlich beginnen, verstehen zu suchen, was er bedeutet: wofür brauchen wir denn den neuen, oder besser: wogegen? Vielleicht gegen den alten?

"Grausamkeit und Schwärmerei sind die Dünger für den Nährboden des Totalitarismus"

Ob es wohl möglich wäre, dieses Forum gelegentlich mit etwas mehr Diskretion und weniger Geständnissen zu führen?

Andrea
Kein Jenseitswarten und kein Schaun nach drüben,
nur Sehnsucht, auch den Tod nicht zu entweihn
und dienend sich am Irdischen zu üben,
um seinen Händen nicht mehr neu zu sein.

stilz
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Beitrag von stilz » 28. Aug 2006, 20:45

Oh oh oh --- da ist man nur eine Woche weg, und beim Heimkommen findet man...naja, schließlich sind wir in der Kategorie "Persönliche Briefe"...

Nur ganz kurz, ich möchte das "off-topic-Thema" nicht ausweiten, da auch ich finde: wenn überhaupt, dann brauchen wir einen neuen "Feminismus", persönlich finde ich ja "Humanismus" viel erstrebenswerter.

Harry,Du schreibst:
...lag und liegt es doch ... in der Regel am Wohlwollen und in der Gnade der Männer, inwieweit sich eine Frau selbstverwirklichen durfte und darf.

Werden hier nicht Äpfel und Zwetschken durcheinandergeworfen?
Rilke war ein Mann, gut.
Aber welche Frau war von seiner Gnade abhängig und konnte sich nicht entfalten, weil er so viele Briefe schrieb, statt sich um Kind und Haushalt zu kümmern?
Könnte sich höchstens um Clara handeln... ich muß zugeben, das weiß ich nicht so gaaaanz genau, die paar Briefe zwischen den beiden, die ich bisher gelesen habe, scheinen allerdings nicht darauf hinzudeuten, sondern eher auf eine vielleicht ein bisserl ungewöhnliche Ehe zwischen zwei sehr eigenständigen Menschen und Künstlern (und soviel ich weiß, gab es ja auch immer wieder eine Art Einkommen, zB aus journalistischer Tätigkeit RMRs)...
Gibt es konkrete Hinweise, daß Clara doch RMRs wegen ein armes unterdrücktes Wesen war, dann bitte ich um diesbezügliche Aufklärung!

Rilke hatte offenbar die Fähigkeit, nicht nur sich selbst, sondern auch andere davon zu überzeugen, was seine Aufgabe oder sogar "Mission" im Leben war und daß es eine wichtige war.
Es hat immer Menschen gegeben, denen so etwas einiges wert war... und es waren auch nicht immer nur Frauen, die Künstler unterstützt haben, Maecenas zB war ein Mann und gab dieser Sorte Mensch seinen Namen...

Ist schon viel zu lang!!!

---


zum Thema:

Ich finde, Briefe schreiben ist eine sehr schöne Sache.
Auch ich tu es immer wieder (oje, Andrea, schon wieder ein "Geständnis" :wink: ) - und gerne auch per mail, das ist vielleicht nicht so "romantisch", geht aber schneller, und es kann direkteren Austausch geben... und ich schreibe nicht nur knappe und rein "sachliche" mails, sondern sehr gern auch längere, ebenso wie die postings hier im Forum.

Bei mir gibt es das Phänomen, daß meine Gedanken sich erst während des Schreibens formen und klären... ich schreibe also nicht schon vorher fertig Gedachtes, sondern es ist ein Entstehungsprozeß, für den das Schreiben notwendig zu sein scheint.
Und zumindest einer meiner Brief- bzw Mail-Partner erzählte mir, daß es auch bei ihm so sei.
Und wenn man das einmal erfahren hat, dann kann das Schreiben, das sich einem bestimmten Menschen schriftlich Mitteilen, wirklich ein elementares Bedürfnis werden... nicht nur um zu kommunizieren, sondern auch, um sich selbst und die eigenen Reaktionen auf die verschiedenen Themen ein Stückerl besser kennenzulernen...

Ich weiß nicht, ob es auch bei Rilke so war.

Aber in mir formuliert sich jetzt gerade der Satz "communico, ergo sum", und dann denke ich daran, daß "communicare" ursprünglich "vereinigen" heißt... und dann denke ich auch noch an Rilkes "Weltinnenraum" und das "Offene"... und an das schöne Bild (nein, nicht Rilke, sondern Neale Donald Walsh), daß nicht der Körper ein Gefäß für die Seele ist, sondern umgekehrt, die Seele ist das Gefäß, das den Körper enthält, also reicht sie weit über ihn hinaus, bis zur Seele des Nächsten, und wer kann schon sagen, wo die Grenze ist oder ob es überhaupt "Grenzen" gibt...

All diese Dinge klingen in mir an, wenn ich einen Brief schreibe... viel mehr als in einem noch so "guten" Gespräch.
Ich bin versucht zu sagen: ich wachse an meinen Briefen...


Liebe Grüße, und vielen Dank für die vielen Wachstums-Gelegenheiten!

Ingrid

Lavender
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CLARA

Beitrag von Lavender » 20. Sep 2006, 21:39

Hallo, ich bin neu hier im Forum und habe gerade diesen thread gelesen. Habe ich etwas verpasst oder war nicht auch Clara Westhoff so sehr Künstlerin das sie ihre einzige Tochter Ruth bei ihren Eltern "unterstellte" wenn sie z.B. bei Rodin in Paris weilte? Ich habe diese Informationen einigen Rilke-Biographien entnommen und habe eigentlich nicht den Eindruck, das RMR so ein Pascha war der sich alles hat herrichten lassen. Zudem war er doch von seiner Mutter eher wie ein Maedchen erzogen worden und liebte es geradezu, Gaeste mit schönen Essen und Tischdekorationen zu verwöhnen, etc. Ich glaube einfach, zwischen Rilke und seiner Ehefrau gab es etwas, das die Öffentlichkeit nicht erfahren hat, bestimmt haben die Beteiligten gewisse Dokumente beizeiten vernichtet. War es nicht auch so, das er weder zur Geburt seiner ersten Enkelin angereist ist noch Clara Westhoff bzw. seine einzige Tochter an sein Sterbebett gelassen hat? Ich glaube, ihn da als "typisch Mann" zu bezeichnen, ist völlig falsch. Immerhin hat er auch den Menschen seine großartige Dichtung hinterlassen, an der wir alle uns immer noch erfreuen können. Viele Grüße, Brigitte

helle
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Beitrag von helle » 22. Sep 2006, 13:04

Und ob Rilke ein Pascha war. Ich will mich nicht schon wieder rilkeweit unbeliebt machen, aber für das Thema würde ich in den Ring gehen, das hätte dann auch spaßige Seiten. Stimmt natürlich, daß auch Clara Rilke-Westhoff Künstlerin war und ihre Tochter in deren ersten Lebensjahren zu ihren Eltern gegeben und nicht selbst aufgezogen hat, später hat sie sie zu sich genommen. Ihre Kunst war nun aber auch ihr Beruf, von mir aus im doppelten Wortsinn, das war für Frauen damals sicher noch schwieriger als heute, künstlerische Berufung, Broterwerb und Familie zu vereinbaren. Welche Alternativen hätte CRW denn gehabt? Ihre eigenen Eltern standen ökonomisch relativ gut da, Rilkes Eltern waren getrennt, und selbst wenn seine kapriziöse Mutter gewollt hätte, ihr hätte vermutlich selbst ein Rilke die Tochter nicht überlassen. Sein Verhältnis zur Mutter ist ja noch mal ein neues Kapitel, darüber hat er sich ja häufig genug beklagt, aber als Vater hat er seinerseits versagt. Das ist einer der vielen Widersprüche seines Lebens, wenn man etwa daran denkt, wie er – theoretisch – die Reformgedanken von Ellen Key befürwortet hat, oder welche schöne Bedeutung er dem Kind und seinem Weltverständnis in seiner Dichtung gibt.

Praktisch aber war Ruth ihm eine Last, und an der bedingungslosen Liebe, mit der Eltern ihre Kinder lieben, hat es Rilke gemangelt, so schreibt er noch im Januar 1920, sie, Ruth, sei nicht in dem Maß sein Kind, daß er "ihr aus seiner Welt die ihrige zurechtschneiden und vorbereiten könnte" und daß er "zu manchem, auch Körperlichen in ihr, diese Abwehr habe, die sich über allem rührt, was an die Familie meiner Mutter erinnert." Seltsames Wort. Daß Du darauf hinweist, daß auch CRW ihren Anteil am ganzen haben muß und daß Du Rilkes Dichtung dagegen ins Feld führst, das ist natürlich ganz berechtigt und gehört dazu. Es ist schade, daß der Briefwechsel mit seiner Tochter nicht vorliegt. Richtig ist auch, daß er seine Frau (sie sind nie offiziell geschieden worden) am Ende nicht empfangen wollte, Ruth hat er das letzte Mal im März 1919 gesehen, finanziell hat er sie, als es ihm besser ging, über seinen Verleger Kippenberg unterstützen lassen, seine Enkeltochter hat er, so weit ich weiß, nie gesehen.

Gruß, helle

gliwi
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Beitrag von gliwi » 26. Sep 2006, 15:51

Hallo Brigitte,
sicher kein Macho in dem Sinn, dass er die Frauen hat für sich springen lassen. In den Kreisen, in denen er verkehrte, hatte man dafür Personal. Nein, er war eher ein "Frauenversteher". Aber für mich hat es auch was Machohaftes, dass er mit einer Menge verschiedener Frauen eine Beziehung hatte - so ein wenig playboymäßig. Von einer weiß ich, dass sie darunter gelitten hat - für sie war er die große Liebe, für ihn war sie ein weiblicher Kurschatten. Heute würde man sagen: asymmetrische Beziehung.
Gruß
gliwi
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Mona
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Beitrag von Mona » 11. Dez 2006, 22:58

Hallo,

weiss jemand zufällig, wer die erste Ausgabe mit Rilke Briefen an Rodin herausgegeben hat ?

Danke !

Mona :lol:
"Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden. Die Zukunft steht fest,... wir aber bewegen uns im unendlichen Raume."(RMR)

Barbara
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Beitrag von Barbara » 10. Mär 2007, 09:27

Hallo,

gibt es Fälle, wo Rilke an einem Tag an die gleiche Person mehrmals geschrieben hat ? Das interessiert mich in Vorbereitung einer Forschungsreise !

Barbara :lol:

Mona
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Beitrag von Mona » 1. Okt 2007, 20:03

Hallo,
habe heute eine Ausgabe mit Rilkes Briefen an einen jungen Dichter bekommen. Hat schon mal jemand einen dieser Rilke Briefe im Original gelesen ? Das muss ein wirklicher Fach-"Mann" sein :wink: !
Danke für die Antwort !
Mona :lol:
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Re: 30.000 Briefe ?

Beitrag von Mona » 8. Feb 2008, 22:32

Hallo,

"Alle Kraft, die wir fortgeben, kommt, erfahren und verwandelt, wieder über uns. So ist es im Gebet. Und was giebt es, wahrhaft Getanes, das nicht Gebet wäre?"

Woher ist dieses Zitat ? Könnte es aus einem Brief von Rilke sein ?

Mona :lol:
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