Else Lasker-Schüler

Lou Andreas-Salomé, Clara Westhoff, Marie von Thurn und Taxis, Ellen Key, Baladine Klossowska, Leonid Pasternak, Anton Kippenberg, ...

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lejo
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Else Lasker-Schüler

Beitrag von lejo » 22. Okt 2012, 19:22

Guten Abend, werte Forumsgemeinde, ich bin neu hier und habe mich für ein bestimmtes Anliegen angemeldet- eigentlich ist es eher so, dass ich aufgrund meines Anliegens eine mir neue Welt betrete, nämlich die Welt Rilkes, und damit auch dieses Forums (seit vorgestern lese ich hier intensiv und mit Freude).
Warum das Ganze? Ich bin zwar schon 45, sehe mich aber vor die Aufgabe gestellt, ein kurzen Aufsatz über Rilkes Beziehungen zum Expressionismus im Allgemeinen und zu ELS im Besonderen zu verfassen.
Beide hatte ich bisher nicht in einem Zusammenhang betrachtet, und auch meine bisherigen Recherchen ergeben nicht viel- den schönen Absatz RMRs aus dem Brief an Anni Mewes bzgl der Expressionisten habe ich natürlich schon gefunden.
Meine bisherige Einschätzung ist, dass RMR den Eigenheiten des Expressionismus (Protest gegen bestehende Ordnungen) eher gleichgültig bis skeptisch gegenüberstand, dies ihn aber nicht davon abhielt, einzelne Künstler zu schätzen.
So weit, so bekannt.
Meine Frage ist nun: kannte Rilke die Else? Und wenn ja, was hielt er von ihr/ihrer Lyrik?

Zweite Frage: lt Wikipedia war Rilke Mitglied im "Verein für Kunst", gegründet von Herwarth Walden, der auch Lesungen für Rilke in Berlin organisierte. Ich halte Wikipedia aber für keine gute Quelle,kann jemand diese Mitgliedschaft bestätigen?

Ich hoffe, ihr habt Freude an meinen Fragen und freue mich auf Antworten!

Gruß,

Leo

lejo
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Re: Else Lasker-Schüler

Beitrag von lejo » 23. Okt 2012, 18:50

Seht ihr, so viel fällt einem dazu offenbar nicht ein... :wink:

stilz
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Re: Else Lasker-Schüler

Beitrag von stilz » 23. Okt 2012, 20:12

Lieber Leo,

herzlich willkommen in unserem Forum!

:D Ja, leider, also mir zumindest ist zuerst einmal überhaupt gar nichts dazu eingefallen. :(

Jetzt aber, auf Deine aufmunternden Worte hin :wink: , habe ich mal in der Chronik nachgeschlagen, und da finde ich:

22. Februar 1906 an Herwarth Walden (den Mann ELSs):
»... Das soll mich aber nicht hindern, irgend eine stille Stunde mit Ihnen und Else Lasker-Schüler (die ich in Verehrung grüße) zu suchen und zu erhoffen, wenn es auch vielleicht nur ein kleiner Nachmittag wird um Dämmerung.«

13. Oktober 1913:
R. dankt Sidie Nádherny für die Balladen [Hebräische Balladen, 1913] »der Lasker-Schüler: nein, nein – ich möchte bellen wie sie's neulich that: >schlecht, schlecht<, aber ich habe nicht ganz die Stimme dafür.«

27. Oktober 1916:
R. hört eine Lesung Theodor Däublers, über die er Katharina Kippenberg [am 2.11.1916] berichtet: »Denken Sie, daß er mir nichts gegeben hat, als noch einmal, nun vom Persönlichen aus, die erschütternde Verschüttung mit der seine Gedichte, je mehr ich davon lese, mich überstürzen, bis ich unter ihnen, wie unter Gerölle, verschwunden bin ... Ich war nicht imstande, ihm hernach die Hand zu reichen, worauf Else Lasker-Schüler es im Stillen angelegt hatte...

und am 18. November 1918 schreibt Rilke an Katharina Kippenberg:
»Gestern war der Feind über München; es ist aber ohne größeren Schaden vorübergegangen. Am gleichen Abend las wieder Däubler, zugleich mit einigen jungen Leuten seines Kreises: Becher, Else Lasker-Schüler, George Groß, Herzfelde – nach dem bedrückenden Eindruck neulich bracht ich's nicht über mich, wieder hinzugehen.«

Ich hoffe, Du kannst etwas damit anfangen!


Herzlichen Gruß,
Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

lejo
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Re: Else Lasker-Schüler

Beitrag von lejo » 25. Okt 2012, 09:29

vielen Dank, Ingrid, diese Textstellen weisen darauf hin, dass man sich zwar kannte, aber keine nähere Beziehung zueinander hatte...

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lilaloufan
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Re: Else Lasker-Schüler

Beitrag von lilaloufan » 25. Okt 2012, 09:45

Zu Deiner zweiten Frage bat Renée mich, Dir zu schreiben, «dass es in der Rilke-Chronik Hinweise darauf gibt, dass Rilke (vermittelt durch Herwarth Walden) im „Verein für Kunst“ seinen Rodin-Vortrag gehalten hat, aber wohl kein Mitglied war.»

l.
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

lejo
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Re: Else Lasker-Schüler

Beitrag von lejo » 25. Okt 2012, 10:20

Klasse, danke. Das es der Rodin-Vortrag war, wusste ich noch nicht. Ich habe auch eher den Eindruck, dass eine Mitgliedschaft nicht wirklich zu ihm gepasst hätte.

stilz
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Re: Else Lasker-Schüler

Beitrag von stilz » 25. Okt 2012, 12:29

Danke, Renée und lilaloufan!

Es scheint zwei Vortragsabende gegeben zu haben:

27. September 1905: R. geht brieflich auf einen Vorschlag von Herwarth Walden ein:
»Ich beeile mich Ihnen mein Einverständnis mit dem 2. März 1906 zu sagen. Was das Programm angeht, so wird es sich um eine Auswahl von Prosa und Versen handeln. ... Diesen Herbst werde ich an mehreren Orten über das Werk Rodin's sprechen; auch dieser Vortrag stünde Ihnen zur Verfügung; ich vermuthe aber, daß Sie vor Allem die Darbietung von Dichtungen beabsichtigen ... Würden Sie wohl von musikalischen Ergänzungen an meinem Abende absehen mögen? Ich bin gegen die Vertonung meiner Gedichte und weiß deshalb auch nicht, ob Versuche dieser Art gemacht worden sind und mit welchem Erfolg...«

Anfang November 1905:
R. schreibt an Karl von der Heydt aus Meudon:
»Wenn ich anfangs März nach Berlin komme, um im >Verein für Kunst< Eigenes zu sagen, glauben Sie nicht, daß ich bei dieser Gelegenheit auch meinen Rodin-Vortrag an irgendeiner Stelle anbringen könnte? Mir brennen die Worte im Herzen, die, wie es mir scheint, in aller Kunstverwirrung manchem nötig oder doch nützlich sein könnten ... «

20. November 1905:
Mit dem »Verein für Kunst« in Berlin verhandelt R. über mögliche Termine für seine Lesung und einen Rodin-Vortrag.

22. Februar 1906:
An Herwarth Walden:
»inliegend ein Verzeichnis meiner Bücher ... Ich werde nur im engsten Zeitkreis um die beiden Vortrags-Tage in Berlin sein und, wie ich hoffe, am 28. gegen Abend eintreffen.«

2. März 1906:
Im »Verein für Kunst, Salon Cassirer« liest R. zum ersten Mal vor deutschem Publikum aus eigenen Werken; Clara R. und Lou A.-S. sind unter den Zuhörern; was R. liest, ist nicht überliefert.

20. März 1906:
R. hält seinen Vortrag »Vom Werke Rodins« im »Verein für Kunst«.

Herzlichen Gruß,
Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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