Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

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Dasha
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Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von Dasha » 7. Mai 2012, 07:36

Verwechselt Rilke "allein" und "einsam" in diesem Gedicht?

Vielen Dank im voraus!


Wenn auch einsam oft — alleine
bin ich doch nicht auf der Welt,
denn es hat sich längst mir eine
[traute] Freundin zugesellt.

Die mich tröstet, wenn ich weine,
die noch immer Kraft mir lieh,
sie — ihr wißt ja, wen ich meine —
die erlauchte Phantasie.

Sie, sie tritt, kaum läßt sie's merken,
leise oft an mich heran,
den Verlassenen zu stärken,
und — sie weiß ja, daß sie's kann.

Denn sie malt, die holde Fraue,
mir mit leichter Künstlerhand
Bilder an des Lebens graue
kalte kahle Kerkerwand.

aus: SW III, S. 494
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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von Studentin.Theresa » 7. Mai 2012, 12:43

Hallo Dasha,

nein, Rilke verwechselt nichts in diesem Gedicht. Er macht lediglich einen Zeilensprung, ein Enjambement.
Er sagt, dass das lyrische Ich sich zeitweise ("oft") einsam fühle.
Er macht dann mit eines Gedankenstrichs deutlich, das etwas Unerwartetes folgt. Das lyrische Ich spricht über eine Einsamkeit inmitten von einer Menge ("alleine / bin ich doch nicht auf der Welt"). Dieses "doch" sagt aus, dass das Gefühl der Einsamkeit in der Menge leider ab und an auftritt und es unerwartet kommt. Auch sehe ich darin etwas Hoffnung, dass er nun doch nicht so einsam, wie gedacht ist. Irgendwann taucht schon die richtige Person auf, die ihm das Gefühl der Einsasmkeit nimmt. Aber das Ganze ist nur meine Interpretation. :)

Dasha
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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von Dasha » 7. Mai 2012, 14:31

Dank Studentin.Theresa,

also, ich weiß. Der erste Satz bedeutet, daß nicht nur "ich mich einsam fühl", sondern auch "du dich einsam fühlst", so bin ich alleine nicht.
Hab ich nicht recht?
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stilz
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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von stilz » 7. Mai 2012, 15:20

Lieber Dasha,

das ist eine sehr interessante Frage, die Du da stellst.

Ich würde nicht sagen, daß Rilke in diesem Gedicht „einsam“ und „allein“ verwechselt, aber ich finde es schwierig, das schlüssig und eindeutig zu begründen.

Das Wörterbuch der Gebrüder Grimm gibt für beide Wörter die lateinischen Referenzen „solus, solitarius“ an - und auch sonst hilft es mir in diesem Fall nicht weiter.

Für mich bedeutet „Einsamkeit“ einen inneren Zustand, der sich allerdings zunächst am besten „erzeugen“ läßt, wenn man, auch äußerlich gesehen, „allein“ ist.
Solches „Alleinsein“ geschieht uns nicht immer freiwillig.
Dann fühlen wir uns „verlassen“ und sind traurig... so wie der junge Dichter Franz Xaver Kappus, dem Rilke schreibt (am 23. Dezember 1903):

»Sie sollen nicht ohne einen Gruß von mir sein, wenn es Weihnachten wird und wenn Sie, inmitten des Festes, Ihre Einsamkeit schwerer tragen als sonst. Aber wenn Sie dann merken, daß sie groß ist, so freuen Sie sich dessen; denn was (so fragen Sie sich) wäre eine Einsamkeit, welche nicht Größe hätte; es gibt nur eine Einsamkeit, und die ist groß und ist nicht leicht zu tragen, und es kommen fast allen die Stunden, da Sie sie gerne vertauschen möchten gegen irgendeine noch so banale und billige Gemeinsamkeit, gegen den Schein einer geringen Übereinstimmung mit dem Nächstbesten, mit dem Unwürdigsten ... Aber vielleicht sind das gerade die Stunden, wo die Einsamkeit wächst; denn ihr Wachsen ist schmerzhaft wie das Wachsen der Knaben und traurig wie der Anfang der Frühlinge. Aber das darf Sie nicht irre machen. Was not tut, ist doch nur dieses: Einsamkeit, große innere Einsamkeit. Insich-Gehen und stundenlang niemandem begegnen, - das muß man erreichen können. Einsam sein, wie man als Kind einsam war, als die Erwachsenen umhergingen, mit Dingen verflochten, die wichtig und groß schienen, weil die Großen so geschäftigt aussahen und weil man von ihrem Tun nichts begriff.«

Und am 14. Mai 1904:
»Und Sie dürfen sich nicht beirren lassen in Ihrer Einsamkeit, dadurch, daß etwas in Ihnen ist, das sich herauswünscht aus ihr. Gerade dieser Wunsch wird Ihnen, wenn Sie ihn ruhig und überlegen und wie ein Werkzeug gebrauchen, Ihre Einsamkeit ausbreiten helfen über weites Land. Die Leute haben (mit Hilfe von Konventionen) alles nach dem Leichten hin gelöst und nach des Leichten leichtester Seite; es ist aber klar, daß wir uns an das Schwere halten müssen; alles Lebendige hält sich daran, alles in der Natur wächst und wehrt sich nach seiner Art und ist ein Eigenes aus sich heraus, versucht es um jeden Preis zu sein und gegen allen Widerstand. Wir wissen wenig, aber daß wir uns zu Schwerem halten müssen, ist eine Sicherheit, die uns nicht verlassen wird; es ist gut, einsam zu sein, denn Einsamkeit ist schwer; daß etwas schwer ist, muß uns ein Grund mehr sein, es zu tun.«


Ich denke auch an Goethe, an diesen Gesang des Harfners aus dem „Wilhelm Meister“:

  • Wer sich der Einsamkeit ergibt,
    Ach! der ist bald allein;
    Ein jeder lebt, ein jeder liebt
    Und läßt ihn seiner Pein.
    Ja! Laßt mich meiner Qual!
    Und kann ich nur einmal
    Recht einsam sein,
    Dann bin ich nicht allein.

    Es schleicht ein Liebender lauschend sacht,
    Ob seine Freundin allein?
    So überschleicht bei Tag und Nacht
    Mich Einsamen die Pein,
    Mich Einsamen die Qual.
    Ach, werd ich erst einmal
    Einsam in Grabe sein,
    Da läßt sie mich allein!


Der Harfner ersehnt „Einsamkeit“, aber Qual und Pein wollen ihn nicht „allein“ lassen, schleichen sich gleichsam „von außen“ in sein Herz...

Und Bettine von Arnim „antwortet“ darauf, eigentlich ganz ähnlich wie Rilke Franz Xaver Kappus:

  • Wer sich der Einsamkeit ergibt

    »Wer sich der Einsamkeit ergibt,
    Ach der ist bald allein;
    Ein jeder lebt, ein jeder liebt
    Und läßt ihn seiner Pein.«

    Wer sich dem Weltgewühl ergibt,
    Der ist zwar nie allein.
    Doch was er lebt und was er liebt,
    Es wird wohl nimmer sein.

    Nur wer der Muse hin sich gibt,
    Der weilet gern allein,
    Er ahnt, daß sie ihn wieder liebt,
    Von ihm geliebt will sein.

    Sie kränzt den Becher und Altar,
    Vergöttlicht Lust und Pein.
    Was sie ihm gibt, es ist so wahr,
    Gewährt ein ewig Sein.

    Es blühet hell in seiner Brust
    Der Lebensflamme Schein.
    Im Himmlischen ist ihm bewußt
    Das reine irdsche Sein.


Wenn wir solche „innere Einsamkeit“ freiwillig aufsuchen, dann kommen wir vielleicht nicht nur zur „Trösterin Kunst“ (so Rilke in seinem Schmargendorfer Tagebuch), sondern vielleicht auch zu Empfindungen, wie Rilke sie im Stunden-Buch (Buch vom Mönchischen Leben) schildert – einsam, aber nicht allein:
  • Wer seines Lebens viele Widersinne
    versöhnt und dankbar in ein Sinnbild faßt,
    der drängt
    die Lärmenden aus dem Palast,
    wird anders festlich, und du bist der Gast,
    den er an sanften Abenden empfängt.

    Du bist der Zweite seiner Einsamkeit,
    die ruhige Mitte seinen Monologen;
    und jeder Kreis, um dich gezogen,
    spannt ihm den Zirkel aus der Zeit.
Oder, später:
  • Mit einem Ast, der jenem niemals glich,
    wird Gott, der Baum, auch einmal sommerlich
    verkündend werden und aus Reife rauschen;
    in einem Lande, wo die Menschen lauschen,
    wo jeder ähnlich einsam ist wie ich.

    Denn nur dem Einsamen wird offenbart,
    und vielen Einsamen der gleichen Art
    wird mehr gegeben als dem schmalen Einen.
    Denn jedem wird ein andrer Gott erscheinen,
    bis sie erkennen, nah am Weinen,
    daß durch ihr meilenweites Meinen,

    durch ihr Vernehmen und Verneinen,
    verschieden nur in hundert Seinen
    ein Gott wie eine Welle geht.

    Das ist das endlichste Gebet,
    das dann die Sehenden sich sagen:
    Die Wurzel Gott hat Frucht getragen,
    geht hin, die Glocken zu zerschlagen;
    wir kommen zu den stillern Tagen,
    in denen reif die Stunde steht.
    Die Wurzel Gott hat Frucht getragen.
    Seid ernst und seht.
---

Das alles ist wohl nicht gerade eine schlüssige Erklärung - aber vielleicht kann etwas davon Dir dennoch weiterhelfen in Deiner Frage.


Herzlichen Gruß,
Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von stilz » 7. Mai 2012, 15:31

Oh - ich sehe erst jetzt Dein posting, liebe Theresa:
Studentin.Theresa hat geschrieben:Auch sehe ich darin etwas Hoffnung, dass er nun doch nicht so einsam, wie gedacht ist. Irgendwann taucht schon die richtige Person auf, die ihm das Gefühl der Einsamkeit nimmt
und Dashas erneute Frage:
Dasha hat geschrieben:Der erste Satz bedeutet, daß nicht nur "ich mich einsam fühl", sondern auch "du dich einsam fühlst", so bin ich alleine nicht.
Hab ich nicht recht?
Also – ich lese in diesem Gedicht nicht die Erwartung, eine andere Person möge auftauchen und sich eventuell auch einsam fühlen, sodaß ich nicht mehr allein bin.
Sondern die »[traute] Freundin«, von der das lyrische Ich hier spricht, die sich ihm tröstend »zugesellt« – das ist die »erlauchte Phantasie«.
Meint Ihr nicht auch?

Herzlichen Gruß nochmal,

Ingrid
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von lilaloufan » 7. Mai 2012, 21:10

Liebe Studentin.Theresa,
da habe ich allerdings nun den Eindruck, dass Du das lyrische Ich in einer völlig anderen Stimmung vorfindest als ich sie lese.

Du schreibst: „dass das Gefühl der Einsamkeit in der Menge leider ab und an auftritt“ – allein wo nimmst Du das: „in der Menge“ und gar, wo nimmst Du das: „leider“ her?

Rilke hat von „Einsamkeit“ ein so positives Bild, dass er wohl kaum dem lyrischen Ich ein Bedauern in die Feder legen würde.

Hier, in einem Beitrag von stilz, kannst Du etliches darüber lesen, aber auch noch in vielen anderen, älteren Beiträgen hier im Forum ist das ausgeführt. Oder denk’ an die berühmte Stelle aus einem der Kappus-Briefe: „Einsamkeit ist schwer; dass etwas schwer ist, muss uns ein Grund mehr sein, es zu tun.

---

Oh! --- Ich war unterbrochen worden, und nun sehe ich, dass inzwischen stilz mehr noch geschrieben hat als ich selbst sagen wollte.
Studentin.Theresa hat geschrieben:… sehe ich darin etwas Hoffnung, dass er nun doch nicht so einsam, wie gedacht ist. Irgendwann taucht schon die richtige Person auf, die ihm das Gefühl der Einsamkeit nimmt.
Inzwischen wirst Du ja gesehen haben, dass es die erlauchte Phantasie ist, die immer wieder die Gefährtin des Einsamen wird. Wollen wir doch hoffen, dass sie ihm das so kostbare Gefühl der Einsamkeit nicht rauben wird! Aber die holde Phantasie wird schon nicht zur lästigen Schmeißfliege werden…

Mir fallen weitere Darstellungen ein, in denen die Rede ist vom Menschen, der gerade in der Einsamkeit am deutlichsten bemerkt, dass er nicht allein ist.

Dass er zu sich erwachen, sich selbst gegenübertreten, sich selbst finden kann.

Und der Weg zu dieser Erfahrung geht durch eine Art Einsamkeit, die „erquickend still“ ist, so wie sie „grausam finster“ erscheinen kann.

Des Menschen letzte Zuflucht“ (so nennt sie in eine Künstlergestalt im ersten Steinerschen Drama) – nein wirklich, die will auch das lyrische Ich in Rilkes Gedicht sich nicht „nehmen“ lassen.

@lieber Dasha,

ich stimme Studentin.Theresa zu, dass Rilke nichts verwechselt:

»Wenn auch alleine oft — einsam
bin ich doch nicht auf der Welt« –
das wäre tragisch, würde eher das Krankheitsbild der „agitierten Depression“ beschreiben als die seelische Situation des mit der Phantasie Befreundeten.

Denn wenn Rilke hier die Phantasie selbst wesenhaft Gestalt werden lässt, dann scheint er mir etwas von dem zu meinen, was als ein „helles Götterkind“ erlebt werden kann <frz. » la fantaisie «>, nicht wie eine Ausgeburt der Einbildungskräfte <frz. » le fantasme «>, mit der sie oft verwechselt, als die sie oft verleumdet wird.

Solcherart Phantasie ist dem Künstler „Freundin“ (daher wohl auch der Vorspann, den Dasha im Facsimile eingestellt hat). Freundin sein, das geht über das Stärken des Verlassenen noch hinaus!

Dieses Wort hast Du @Dasha fett gesetzt. Mir scheint darin die Frage zu liegen: Wovon fühlt sich das lyrische Ich „verlassen“, bis es von der „holden FrauePhantasie getröstet wird? Ist das denn nur das menschliche Verlassensein, wie man es aus Hollywood-Schnulzen (oder aus den Alltags-Dramen von Beziehungskrisen) kennt?

Könnte es sein, dass der Dichter aus einer Vorahnung eigener Schaffenskrisen den Zustand meint, von der inspirierenden „guten Machtin sich selbst, von dem „Führer in mir“ sich verlassen zu fühlen? Ähnlich wie wir die Redewendung haben: „von allen guten Geistern verlassen sein“. So dass schöpferische Phantasiekräfte dann Bilder bieten, die den lebendigen Eingebungen aus dem sich selbst sammelnden Künstler-Ich zwar nicht ebenbürtig sind, aber immerhin diesen Quell lebendig halten!

lilaloufan


[P.S.: Beitrag gekürzt am 8. Mai 2012]
»Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.«

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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von Dasha » 8. Mai 2012, 13:47

Dank Ingrid, dank lilaloufan.
Im Buch "Mir zur Feier", nannte Rilke einen Gedichtzyklus "Im All-Einen". Ich glaube, "All-Einen" "Alle Einen" bedeutet, auch "Allein[en]" meint. Mir scheint, als ob es "jeder ist allein" drückte aus, und "Im All-Einen" "In den Einzelgängern" hieße.
so leben wir und nehmen immer Abschied.

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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von lilaloufan » 8. Mai 2012, 16:38

Lieber Dasha,

so ist es nicht. Das „All-Eine“ ist ein Ausdruck, der das allumfassend Eine (das alles umfassende Eine) meint. Ähnliche Begriffe sind Attribute des Höchsten, bezeichnen zum Beispiel die „All-Macht“ Gottes, der als die „Prima Causa“ zu verstehen ist. Ganz entsprechend findest Du Gott als den All-Einen aufgefasst in monotheistischen Gottheits-Gestalten wie नारायण (Narayana) und natürlich Jahwe (יהוה‎) und Allah (ال).

Im Logischen Empirismus wurde versucht, das All-Eine durch Suche nach einer Art Welt-Formel zu operationalisieren: "Unity of Science" wurde zum Begriff dafür. Rilke war von diesen panheuristischen Fragen angezogen; in Posting 16258 habe ich diese Thematik berührt.

Nun kann man freilich die anthropo-ontologische Frage aufwerfen, ob der Mensch sein Sein als ein All-Ein-Sein (Individualität = Einzelgängertum) verwirklicht. Mir schiene das allerdings spitzfindig; Rilke beabsichtigte sicher weder ein Wortspiel noch ein Herbeiphilosophieren.

Liebe Grüße,
lilaloufan
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Re: Verwechselt Rilke allein und einsam in diesem Gedicht?

Beitrag von Dasha » 8. Mai 2012, 18:37

Dank Lilaloufan,
wenn ich die Seite: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Laozi ... l=alleinen fand, so begriff ich Deine Antwort. Aufrichtigsten Dank! Im Chinesichen heißt es "Tai Yi"(太一).

Mit herzlichen Grüßen

Dasha
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