Vermischtes von "Georg Trakl jun"

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Georg Trakl
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Re: Ur-Geräusch - Italienisch-Übersetzung gesucht

Beitrag von Georg Trakl » 28. Okt 2018, 12:01

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Anmerkung der Moderatorin:
dieser Übersetzungsvorschlag erschien ursprünglich hier
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Wie wär's mit: scorregia primigenio gigante

Beispielhaft so von Alighieri gebraucht:
Sonora come un peto d'imperatore, peto che tutti fanno finta... di non aver sentito.

Georg Trakl
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Re: Sunamitismus

Beitrag von Georg Trakl » 29. Okt 2018, 23:25

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Anmerkung der Moderatorin:
Diese erhellende Zusammenfassung erschien ursprünglich in diesem Zusammenhang
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Falls es in dieser Suada über den Sunamitismus noch nicht besprochen wurde (meine Geduld reichte nicht aus, um allen Mutmaßungen und Gegendarstellungen zu folgen): Das Verbum "erkennen" bedeutet in der verschwurbelten Sprache biblischer Autoren das Beilager.
"Sie traktierte die sich zu Boden neigende davidsche Rute, doch er erkannte sie nicht" - bedeutet also nichts anderes als die vergebliche Bemühung, den herrschaftlichen Phallus per penetrationem in das noch undeflorierte Ziel Abisags Begierde zu applizieren. Sei es, dass er nicht in der Lage dazu war oder aber gar nicht sein wollte. Das müssen wir dahingestellt lassen.

Verräterisch zumindest dieser Absatz:

Aber sie hielt sich an dem dunkeln (?) Alten (sic!)
und, von der Nacht der Nächte (sic!) nicht erreicht (aha!),
lag sie auf seinem fürstlichen Erkalten (sic!)
jungfräulich (sic!) und wie eine Seele leicht.
[Zitat Rilke]

Georg Trakl
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Re: Imaginärer Lebenslauf

Beitrag von Georg Trakl » 30. Okt 2018, 00:00

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Anmerkung der Moderatorin:
Diese eigenwillige Antwort erschien ursprünglich hier
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Bei den diversen - wie Sie, Kesselbaum, es nennen "Abschiedsfeiern" (beim ersten Lesen verunsichert das später verwendete Adjektivum "heiter") hat sich in unserem Institut beim Kommers zur Emeritierung Alter Herren folgender Einleitungssatz bewährt:
"Am Anfang schuf [Akad. Grad / N.N.] Himmel und Erde.
Bei seinen Vorlesungen war das Auditorium meist öd und leer.
Und er sah, dass das gar nicht gut war."
Hier setzt meist schon Gelächter ein. In der Folge werden noch etwa 20 Zeilen mit den persönlichen Marotten und Vorzügen des Abzufertigenden angehängt. Diese Vorgangsweise hat ein gerüttelt Maß an Belustigung bei den Anwesenden, nicht immer jedoch beim Scheidenden, hervorgebracht.
Bei Trauerfeiern würde ich jedenfalls zu besinnlicheren Texten raten und den Humor weglassen. Da werden Sie sicherlich bei Rilkes melancholischem Werk fündig, Kesselbaum. Und ja: besser Sie stolpern über den letzten Teil Ihrer imaginierten Vita als über die zu verabschiedende "junge Kollegin" ...

Georg Trakl
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Re: brief gesucht mit zitat mein inneres gärtnern war herrlich

Beitrag von Georg Trakl » 30. Okt 2018, 00:47

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Anmerkung der Moderatorin:
Dieser originelle Beitrag erschien ursprünglich in diesem Zusammenhang
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Mein inneres Gärtnern war herrlich diesen Winter. Das plötzlich wieder heile Bewusstsein meiner tief bestellten Erde ergab mir eine große Jahreszeit des Geistes und eine lange nicht mehr gekannte Stärke des Herzstrahls. Ich setzte mich und dilettierte in meiner Klause so vor mich hin, während das Glimmen des Kanonenofens wohlige Wärme im Raum verbreitete. Ach, was taten da die Gedanken an verschneite Gartenlandschaften gut, man musste ja nicht draussen sein. Kinder warfen Schneebälle ans mit Eisblumen überzogene Stubenfenster, und ein struppiger Hund jagte eine Katze über die verschneite Gasse. Ob sie wohl überlebt, fragte ich mich. Es schneite in Strömen. Ich nahm einen Schluck aus der Flasche mit dem Selbstgebrannten und fand in einem alten, vergilbten Folianten dieses seltsame Gedicht. Stammt es von Meister Rilke? Oder war mein Vorfahre der Autor? Aber vielleicht auch Hö... Ich weiß es nicht mehr ... der Dreifachgebrannte ...

Winterkirschen
In Silberrücken eingeschleiert
Steht jetzt der Baum,
Und strecket seinen nackten Podex
Dem Himmel zu.
Wo jüngst das reife Gold des Fruchtbaums
Geblinket, hängt
Jetzt Eis herab, das keine Sonne
Zerschmelzen kann.
Entblättert steht die Rebenlaube,
Die mich in Nacht
Verschloß, wenn Phoebus flammenatmend
Herniedersah.
Das Blumenbeet, wo Florens Töchter
In Morgenrot gekleidet,
Wohlgeruch verhauchten,
Versinkt in Schnee.
Nur du, mein kleiner Buchsbaum, pflanzest
Dein grünes Haupt
Dem Frost entgegen und verhöhnest
Des Winters Macht.
Mit Bierschaum überzogen, funkelst
Du an der Brust
Des Mädchens, das die Dorfschalmeie
Zum Tanze ruft.
Ruh' sanft, mein Garten, bis der Frühling
Zur Erde sinkt,
Und Winterkirschen auf die Wipfel
Der Bäume streut.
Dann gaukelt Zephyr in den Blüten,
Und küsset sie,
Und weht mir mit den Düften
Freude in meine Brust.

Georg Trakl
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Re: Rainer Maria Rilke "Herbst" 1902

Beitrag von Georg Trakl » 6. Nov 2018, 12:09

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Dieser Beitrag erschien ursprünglich als Antwort hier
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Mein lieber Moritz,
das von dir angefragte Gedicht stammt von Rainer M. Rilke, und die darin angesprochene Jahreszeit "Herbst" bildet den Zeitraum zwischen Sommer und Winter ab. Also von etwa Ende September bis zum späten Dezember (Spätherbst).
Das Wort Herbst hat sprachgeschichtlich denselben Ursprung wie das englische Wort harvest "Ernte(zeit)", lat. carpere "pflücken" und griech. karpós "Frucht, Ertrag", ferner litauisch kirpti "schneiden", griechisch krōpíon "Sichel". Ursprünglich bedeutete das Wort Herbst also „Erntezeit“. Diese landwirtschaftliche Bedeutung blieb im Englischen erhalten, während sie sich im Deutschen zur allgemeinen Bezeichnung der Jahreszeit verschob. Im südwestdeutschen Sprachraum lebt die ursprüngliche Wortbedeutung als Dialekt- bzw. Fachausdruck für die (Wein)lese fort: diese Tätigkeit wird dort verbreitet mit "herbsten" bezeichnet. Im gleichen Gebiet heißt die Jahreszeit Spätjahr (als Spiegelform von Frühjahr).
Die Jahreszahl 1902 hat Rainer Rilke wohl deshalb hinzugefügt, da dieses Poem in seiner mittleren Schaffensperiode (1902 bis 1910) entstanden ist und wohl eine Momentaufnahme des Seelenzustands unseres Meisters darstellt. Nachdem seine Frau ihm Ende 1901 eine Tochter "untergejubelt" hatte, zog Rilke es vor, nach Paris zu flüchten, und er kümmerte sich dort häufiger um Rodin (einen Bildhauer) als um seine im provinziellen Worpswede zurück gelassene Familie. Ja, Familienmensch war er nie ... Aber auch von Rodin hatte er bald genug, und so wandte er sich mit dem Maler Cézanne einem weiteren Protagonisten der bildenden Kunst zu (man beachte Rilkens auffallende Affinität zur darstellenden Kunst als Vertreter der schreibenden Zunft). Im Jahre 1905 verschaffte sich Rilke dennoch eine Anstellung bei Rodin, der ihm gleichzeitig - zur Wiedergutmachung quasi - als idealisierte Vaterfigur (ob hier auch mögliche homoerotische Neigungen mitspielten ist in der Fachwelt durchaus umstritten) dienen sollte. Das Dienstverhältnis beendete Rodin im Mai 1906 aus nicht näher bekannten Gründen jedenfalls abrupt. Ob eine Abfindung ausbezahlt wurde, ist nicht bekannt und beschäftigt internationale Arbeitsrechtler bis zum heutigen Tage.
Ich hoffe, mit meinem bescheidenen Beitrag dir, lieber Moritz, eine kleine Hilfestellung geleistet zu haben und wünsche dir alles Gute für deine Präsentation!

Herzlich, Georg Trakl jun.

Georg Trakl
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Re: Franziskus in Muzot

Beitrag von Georg Trakl » 6. Nov 2018, 12:50

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Anmerkung der Moderatorin:
Dieser Beitrag erschien ursprünglich in diesem Zusammenhang
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Hallo Barbara,
meinst du den hier? Bitte gerne!

Bild

In der Hoffnung, gedient zu haben!
Herzlich, G. Trakl jun

Georg Trakl
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Re: Die Näherin

Beitrag von Georg Trakl » 11. Nov 2018, 12:39

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Anmerkung der Moderatorin:
Dieses posting erschien ursprünglich als „Antwort“ auf diesen Beitrag Haralds
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Nun ja, mein lieber Harald, man sollte die Sache mit der "Näherin" nicht ganz so heruntermachen, sondern die Hintergründe erhellen, die zu diesem Poem geführt haben. Im Jahre 1915 - also mitten im ersten großen Kriege - hatte Rilke bekanntermaßen eine Affaire mit Lou Albert-Lasard, einer bildenden Künstlerin. Im Zuge einer stürmischen Techtelmechtels passierte ein Mißgeschick: Louise ging wohl etwas stürmisch "zur Sache", und ehe noch Rilke sich seines Beinkleids entledigen konnte, entstand im Bereiche des "Eingriffs" ein größerer Riss, welcher mit einfachen Mitteln nicht zu beheben war, zumal Nähzeug im Haushalte des Literaten nicht vorhanden war. Doch Rilke wußte sich zu helfen, befand sich doch in seinem Münchener Bekanntenkreis eine Näherin, mit welcher er kurzzeitig ein erotisches Verhältnis gepflegt hatte. Dieser übergab er nun die Hose, und die Näherin erledigte das peinliche Malheur mit großer Diskretion, aber auch spitzen Bemerkungen. Als Gegenleistung forderte sie jedoch keine Zuwendung pekuniärer Natur, sondern bestand darauf, dass Rilke ihr ein literarisches Denkmal setze. Also war dieser gezwungen, wider seinen Willen ein Opus zu verfassen, das einerseits den Wunsch der Näherin erfüllen, andererseits jedoch nicht den rilketypischen Sprachduktus aufweisen solle. Dieser Spagat gelang Rilke - wie hier in anderen Postings schon festgestellt, in hervorragender Weise. Ein wahrer Meister eben ...

Gruß, G. Trakl jun.

Georg Trakl
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Re: Requiem für Wolf Graf von Kalckreuth

Beitrag von Georg Trakl » 9. Dez 2018, 23:23

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Anmerkung der Moderatorin:
Dieses posting erschien ursprünglich als „Antwort“ in diesem Zusammenhang
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Um die historische Figur des Wolf von Kalkreuth ranken sich so mancherlei Legenden. So soll er bereits in seinen jungen Jahren nach der Lektüre von Baudelaires "Les Fleurs du Mal" den Hang verspürt haben, dieses epochale Werk ins Ungarische zu übersetzen. Da ihn jedoch sein Vater, Leopold von Kalkreuth, darauf hinwies, daß man zunächst einmal des Ungarischen mächtig sein müsse, um ein solches Werk sinnhaft zu erbringen, dachte der Knabe um und übersetzte das Werk unter dem Arbeitstitel "Blumen des Bösen" eben ins Deutsche (später wurde diese seine Fassung allerdings auf Widerspruch von Theodore de Banville verworfen und durch eine zeitgerechtere von Friedhelm Kemp ersetzt). Wolf von Kalkreuth versuchte sich in der Folge - quasi als Adept des von ihm vergötterten Rilke, zumindest imaginierte er es so - als Lyriker, wobei sein Oevre zwischen Kriegslüsternheit und Todessehnsucht schwankte und deshalb niemals von der breiten Schicht der Bevölkerung angenommen werden konnte, welcher Umstand unseren Helden immer öfter in heftige Gemütsdepressionen stürzte. Seines Scheiterns als Poet gewahr, entzog der junge Graf sich der Dichterlaufbahn und trat ins preußische Heer ein, um später einmal im Waffenrock des Kürassiers die standesgemäße Offizierslaufbahn einzuschlagen. Doch auch dieser Versuch, seinem Leben eine sinnhafte Wendung zu geben, mißlang, und so beschloss Wolf kurzerhand, sein - wie er annahm - unbotmäßiges Dasein für immer zu beenden. Sein suizidales Ende erschütterte jedoch in unerwartetem Maße die Bohème jener Zeit, sodaß auch Rilke sich genötigt sah, dem unglücklichen Grafen in seinem Poem "Requiem für Wolf Graf von Kalkreuth" ein postumes Denkmal zu setzen. Weitgehend unbekannt ist der Umstand, dass Rilke später ein weiteres Gedicht über Wolf von Kalkreuth verfasste, welches in den "Wuertthemberg'schen Illustrirten Morgenblaettern" vom 11. Januar 1908 erschien. Um es für die Nachwelt zu erhalten, stelle ich das Gedicht hier mit Erlaubnis des Herausgebers ein.
Übrigens: Beachtenswert für den historisch Beleckten ist auch, dass Rilke hier beiläufig den Terminus "Schuss" verwendet! Ein Hinweis auf die genaue Art der Selbstentleibung des Wolf von Kalkreuth, bislang stets im Dunkel der Literaturwissenschaft geblieben?

Düster die Nebel sich senken
Auf finstre schäumende Gischt,
Auf seinem Nachen stehet
Charon mit bleichem Gesicht.
Hol über! So ruft es von drüben,
Graf Kalkreuth ist's, der da spricht,
Und der Fährmann kommt ihn zu holen
Und achtet der Wogen nicht.
Überqueret den Styx nun sachte
Und ruhig gleitet der Kahn,
Am Ufer da wartet Von Kalkreuth,
gefesselt in seinem Wahn.
Vom Kriege gezeichnet - so steht er,
Den Geist vom Gescheh'nen verwirrt,
Bestellt hat er grade sein Haus noch,
Bevor er zum Flusse geirrt ...
Ein Schuss, dann schweigende Stille,
Sein Leben: ein kurzer Traum.
Sanft gleitet des Fährmanns Zille
dem Ziel zu durch Gischt und Schaum.

Es erschien mir Verpflichtung, dieses längst verschollene Werk unseres großen Meisters den geneigten RilkeanerInnen hier im Forum öffentlich zu machen.
Georg Trakl jun.

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Vermischtes von "Georg Trakl jun"

Beitrag von stilz » 13. Dez 2018, 16:35

In diesem thread habe ich verschiedene Beiträge unseres originellen Forumsmitglieds "Georg Trakl jun" bzw "Georg Trakl" zusammengestellt.
(Wird fortgesetzt.)

Viel Vergnügen bei der Lektüre!
stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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