Konnte Rilke radfahren ?

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Anna B.

Konnte Rilke radfahren ?

Beitrag von Anna B. » 28. Mär 2004, 15:57

Hallo,

da ich gerade für die nächsten Ferien eine Radtour plane (Worpswede, Fischerhude, Teufelsmoor...) , habe ich eine vielleicht etwas ungewöhnliche Frage: konnte Rilke eigentlich auch Radfahren ?!

Danke für Infos!

Anna B. :wink:

ps.: Rilkes Briefwechsel mit Paula Modersohn-Becker liest sich wirklich super !

Renée
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Konnte Rilke radfahren ?

Beitrag von Renée » 28. Mär 2004, 18:27



Grüß Dich, Anna !

Das ist mal eine interessante Frage, aber meines Wissens gibt es kein Zeugnis, das darauf hinwiese. Als Militärschüler lernte Rilke reiten - später ist er gern im Auto mitgefahren, hatte selbst keinen Führerschein. Unglaublich weit war er mit der Eisenbahn unterwegs - aber mit dem Fahrrad ? - eher nein.

Auch in der "Rilke-Chronik" von Ingeborg Schnack gibt es keinen Hinweis darauf.
Grüße von Renée

Marie
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Beitrag von Marie » 28. Mär 2004, 19:04

Hallo Renée,
was das Reiten anbelangt, habe ich meine Zweifel! Es gibt eine briefliche Aussage Rilkes (ca. 1911 an Marie Taxis, müßte Genaueres nachsehen), dass er gerne reiten lernen möchte (nebst Studium der Medizin und des Arabischen - also ziemlich breites Programm, was eher ein Ausdruck seiner Unentschlossenheit war). Ob er während seiner Militärschulzeit je ein Pferd von oben gesehen hat, davon weiß ich nichts. Hast du dazu etwas gefunden, oder ist es mehr deine Assoziation (zu 'ner ordentlichen Militärausbildung gehört auch ein Gaul, oder so)? Würde mich natürlich interessieren.
Er schwärmte vom Reiten, was u. a. seinen Ausdruck im Cornet fand, der mit den Worten "Reiten, reiten..." beginnt, oder im ägyptischen Gedicht aus der Sammlung Aus dem Nachlaß des Grafen C. W., oder auch (müsste ich auch nachsehen) das "weiße Pferd", dass auf einer seiner Russlandreisen einen so tiefen Eindruck auf ihn machte.

Wenn er tatsächlich mal ein Pferd bestiegen haben sollte, dann ist zumindest anzunehmen, dass ihm ein Fahrrad als potentiell sichereres Fortbewegungsmittel bekannt war - aber ehrlich gesagt habe ich in seine dichterischen Fähigkeiten mehr Vertrauen als in seine sportlichen!

Liebe Grüße :wink:

Anna B.

Beitrag von Anna B. » 28. Mär 2004, 20:52

Hallo :lol: ,

... danke für Eure Antworten, mit denen ich so schnell gar nicht gerechnet hatte!
Freu mich schon, wenn ich auf meinem "Drahtesel" durch Worpswede fahre :lol: !

Liebe Grüße von Anna B. :lol:

Renée
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Konnte Rilke radfahren ?

Beitrag von Renée » 29. Mär 2004, 18:38



Oh, Marie,
natürlich hat mich meine Erinnerung nicht getrogen, aber ich habe unwillkürlich schrecklich übertrieben: In der "Rilke-Chronik" steht für das Jahr 1891: "Bis in den April bleibt R. in Mährisch-Weißkirchen, in dieser Zeit hat er die wenigen Reitstunden, von denen er am 14.7.07 Clara R. erzählt". (S.18).

Nicht sehr bekannt ist auch, dass Rilke gern zu den Reitturnieren in Thun fuhr. Dort trifft Rilke im Juni 1923 Frau Wunderly: sie nehmen als Zuschauer am 'Concours hippique' teil, den Oberst Ziegler , der damalige Besitzer von Schloss Berg, organisiert, und an dem ein Schwager von Frau Wunderly als prominenter Reiter teilnimmt. (Chronik, S.858).

Soweit die Reiterei !
Herzliche Grüße von Renée

e.u.
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Beitrag von e.u. » 13. Apr 2004, 17:33

Hallo, noch ein Nachtrag zum Radfahren.
In den Erinnerungen von Heinrich Vogeler finde ich eine Stelle, bei der er Clara Westhoff in Worpswede eine Radtour nach Schleswig-Holstein vorschlägt. Der Maler berichtet:

"Eines Tages traf ich sie auf der Landstraße, als ich zur Post radelte. Beide fuhren wir langsamer und stiegen gleichezitig ovn den Rädern.
"Ich will mit der Marei Bock eine Radtour durch Schlewig-Holstein machen ans Meer. Kommen Sie doch mit!"
"Das wäre nicht schlecht."

Tatsächlich wurde diese Reise zu dritt (mit Marie Bock) unternommen. Aber Rilke war da noch nicht dabei. Mit ihm ist Vogeler offensichtlich nur gewandert.
Aber die Suche geht weiter....
e.u.

Anna B.

Beitrag von Anna B. » 18. Apr 2004, 20:47

Hallo e.u.!

... wenn Clara Westhoff Rad fahren konnte, dann ist es doch ziemlich wahrscheinlich, dass auch Rainer Maria Rilke Rad fahren konnte - oder ???

Ich bin gespannt auf die weitere Suche...

Liebe Grüße,
Anna :lol:

Carola
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Beitrag von Carola » 19. Apr 2004, 12:51

Nuuuun jaaaa, da hätte ich meine Zweifel.

Claire Goll berichtet , daß er niemals zum Baden im Meer zu bewegen war.
Glaub nicht, daß sich RMR durch eine Partnerin sportlich vereinnahmen ließ.
Das Radfahren wäre ja nicht das einzige gewesen, was Clara Westhoff ohne ihn tun mußte.

Grüße - Carola

e.u.
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Beitrag von e.u. » 20. Apr 2004, 19:38

... aber mit dem Auto fuhr Rilke sehr gern (ohne Führerschein, den hatte der Chauffeur) mit, mit der Eisenbahn natürlich auch und mit dem Dampfschiff. Also sehr modern, aber: "no sports".

Barbara
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flugzeug

Beitrag von Barbara » 9. Dez 2004, 15:43

Hi,

ist Rilke eigentlich jemals mit dem Flugzeug geflogen :wink: ?

Barbara :roll:

Micky

Beitrag von Micky » 18. Okt 2005, 13:59

:lol: ... und sicher träumte er auch von unendlichen Weiten... Doch statt ins Weltall zu fliegen, erfand er dann den Welt-Innen-Raum :lol:

Micky

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Anna B.
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Beitrag von Anna B. » 18. Okt 2005, 15:36

Warum nicht :

Rilke lost in Cyberspace .... Millionen von Lichtjahren entfernt 8) ?

Anna :lol:
"anna blume... man kann dich auch von hinten lesen... du bist von hinten wie von vorne: "a-n-n-a." (kurt schwitters)

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Beitrag von .Sabine. » 18. Okt 2005, 21:22

Hallo, Anna,

... Rilke und die moderne Zeit:

„Es ist eine Welt, um welche Sonne, Erde und alle Sterne kreisen: ein neues Sonnensystem.“ (Rainer Maria Rilke)

Liebe Grüße von Sabine
:lol:
"Ich lerne sehen.... " (Rainer Maria Rilke)

Paul A.
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Beitrag von Paul A. » 12. Dez 2006, 21:14

Hi,

zum Thema : konnte Rilke Rad fahren und weil Mona Mountainbike und Briefmarken liebt :wink: !

Nicht von Rilke, aber doch immerhin ein modernes Ding-Gedicht :wink:

von Hannes Küpper

He, He! The Iron Man!

Es kreist um ihn die Legende,
daß seine Beine, Arme und Hände
wären aus Schmiedeeisen gemacht
zu Sidney in einer taghellen Nacht
He, he! the Iron Man!

Eine Spiralfeder aus Stahl sei sein Herz,
frei von Gefühlen und menschlichem Schmerz,
das Gehirn eine einzige Schalterwand
für des Dynamos Antrieb und Stillstand.
He, he! the Iron Man!

Dicke Kabelstränge seine Nerven wären
Hochgespannt mit Volt-Kraft und Ampèren
Denn:
dieser künstliche Mensch sollte auf Erden
ursprünglich nicht Six-Day-Fahrer werden.
Zu einem neuen Cäsar war er erdacht,
daher die ungeheure eiserne Macht.
He, he! the Iron Man!

Und
bleibt auch alles nur Legende, so ist doch eines wahr:
Ein Menschenwunder ist es - Reggie MacNamara!
He, he! the Iron Man!

Paul :lol:
"... Knaben, o werft den Mut/ nicht in die Schnelligkeit,/ nicht in den Flugversuch./ Alles ist ausgeruht:/ Dunkel und Helligkeit,/ Blume und Buch." (R.M. Rilke)

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