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Mikado
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Beitrag von Mikado » 3. Mär 2007, 15:19

Hallo,

eine Frage, die mich besonders heute beschäftigt: mochte Rilke Kinder ?

Mikado :lol:
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gliwi
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Beitrag von gliwi » 3. Mär 2007, 16:52

Hallo Mikado,
konkret weiß ich es nicht. Abstrakt auf jeden Fall, d.h., wenn du die relativ vielen Gedichte liest, in denen Kinder vorkommen, die Erzählungen und vor allem den Text "Samskola", in dem er über eine Reformschule in Skandinavien schreibt. Er war nicht nur ein "Frauenversteher" sondern auch ein "Kinderversteher". Und wenn ich das eine Gedicht recht verstanden habe, dessen Titel mir nicht einfällt, in dem er nächtliches Wachen bei einem Säugling bedichtet, hat er sogar mal Babysitting betrieben.
Gruß
gliwi
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helle
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Beitrag von helle » 4. Mär 2007, 12:41

Ja, aber da sollte man schon unterscheiden zwischen der Rolle des Kindes in Rilkes Dichtung mit den vielen Reminiszenzen an die eigene Kindheit, und dem persönlichen Verhalten, sonst fehlt ja jede Trennschärfe zwischen Literatur und Mensch, das verwirrt nur, und das Problem ist nicht neu.

"Unsere Kinder", schreibt K. Kippenberg, die Frau seines Verlegers, "waren bei seinen Besuchen noch klein. Mancher sogar ernste und würdige Gast hatte sich gern mit ihnen beschäftigt, bei Rilke fühlte man sofort, daß er nicht gut mit ihnen umgehen konnte und in einer Art drolliger Verlegenheit vor ihnen stand. Er sagte später, daß er kein rechtes Verhältnis zu Kindern gewinnen könnte, daß Hunde ihn liebten und Kinder meist nicht." Soweit dies. Weiter heißt es dann, und das verweist m.E. darauf, daß es primär das Phänomen Kindheit und nicht Kind ist, das Rilke immer wieder thematisiert:

"Aber wundervoll konnte man mit ihm in der so bezaubernd anfänglichen Welt des Kinderzimmers sein, er spielte im Anschauen mit ihnen, und er hat das Kind ja auch auf das innigste, scheinbar fast ohne das Medium des Erwachsenseins, zu erfassen vermocht [...]" (K. Kippenberg, RMR. EIn Beitrag, S. 68 )

gliwi
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Beitrag von gliwi » 4. Mär 2007, 16:46

Ja, Helle, genau das meinte ich mit "konkret" und "abstrakt". Ich kenne keinen anderen Lyriker, in dessen Gedichten so oft Kinder vorkommen und Kindheit thematisiert wird, und zwar sehr einfühlsam - was eben noch nicht heißt, dass er mit leibhaftigen Kindern hätte gut umgehen können. Danke für deine Ergänzung aus dem "wirklichen Leben". Dazu eines meiner Lieblingszitate aus dem "kaukasischen Kreidekreis": "Ich liebe das Volk mit seinem schlichten, geraden Sinn, es ist nur der Geruch, der mir Migräne macht." :wink:
Gruß
gliwi
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