"Die Hasenschule" oder: Gedicht zu Ostern

Von den frühen Prager Gedichten über Cornet, Neue Gedichte, Sonette und Elegien bis zum lyrischen Grabspruch

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Volker
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"Die Hasenschule" oder: Gedicht zu Ostern

Beitrag von Volker » 15. Mär 2008, 01:12

Wer kennt das noch: "Die Hasenschule" :lol:
Kinder", spricht die Mutter Hase,
"putzt euch noch einmal die Nase
mit dem Kohlblatt-Taschentuch.
nehmt nun Tafel, Stift und Buch,
tunkt auch eure Schwämmchen ein!
Sind die Pfötchen rein?"
"Ja!" - "Nun marsch, zur Schule gehn!"
"Mütterchen auf Wiedersehn!"

****

Seht, wie ihre Augen strahlen,
wenn sie lernen Eier malen.
Jedes Häslein nimmt gewandt,
einen Pinsel in die Hand,
färbt die Eier, weiss und rund,
mit den schönsten Farben bunt.
Wer's nicht kann, der darf auf Erden
nie ein Osterhase werden.

*****
Bild

Rilke kannte es vielleicht auch schon? :roll:
Oder soll das Folgende nicht eine Anspielung sein?
Wird erst die Erde österlich
versammeln alle Hasen sich
in frühlinglichem Reigen.
Sie tanzen um den Grasgeruch
sehr "frey" und "hold". Das Hasenbuch
steckt doch in jedem Hasen.

Aus: Die Gedichte 1922-1926 (1923)
Eben per Zufall entdeckt. Hatte gar nicht gewusst, dass Rilke auch Sinn für Humor hatte! :lol:
Ich hab' auch Verstand.©
gez. Volker

gliwi
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Re: "Die Hasenschule" oder: Gedicht zu Ostern

Beitrag von gliwi » 15. Mär 2008, 15:19

Doch, doch, Volker, beides.
Das Buch hat sich mein Mann vor zwei Jahren im Erzgebirge gekauft, um seine verschollene Kinderausgabe zu ersetzen.
Für Rilkes Humor zum Beweis ein Gedicht, das leider eingetippt werden muss:

Heilige

Große Heilige und kleine
feiert jegliche Gemeine;
hölzern und von Steine feine,
große Heilige und kleine.

Heilge Annen und Kathrinen,
die im Traum erschienen ihnen,
baun sie sich und dienen ihnen,
heilgen Annen und Kathrinen.

Wenzel laß ich auch noch gelten,
weil sie selten ihn bestellten;
denn zu viele gelten selten -
nun, Sankt Wenzel laß ich gelten.

Aber diese Nepomucken!
Von des Torgangs Lucken gucken
und auf allen Brucken spucken
lauter, lauter Nepomucken!

Ein fröhliches Osterlachen wünscht :D
gliwi
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. KANT

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Volker
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Re: Gedicht zu Ostern

Beitrag von Volker » 18. Mär 2008, 23:37

Bild

- Es ist das Osterfest alljährlich
Doch für den Hasen recht beschwerlich.

(von? richtig: Wilhelm Busch natürlich!)

FRÖHLICHE OSTERN! :D
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Anna B.
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Re: "Die Hasenschule" oder: Gedicht zu Ostern

Beitrag von Anna B. » 19. Mär 2008, 20:32

Auch wenns dieses Jahr vielleicht sogar weisse Ostern werden, statt weisse Weihnachten --- wer weiss... :wink: ?!

Dieses Gedicht, das mich seit einigen Tagen begleitet, darf in dieser Sammlung von Ostergedichten auf keinen Fall fehlen :lol: :

Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I)

Fröhliche Ostertage wünscht Euch,
Anna Blume :lol:
"anna blume... man kann dich auch von hinten lesen... du bist von hinten wie von vorne: "a-n-n-a." (kurt schwitters)

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Re: "Die Hasenschule" oder: Gedicht zu Ostern

Beitrag von stilz » 19. Mär 2008, 21:17

Aber bevor wir Ostern feiern, kommt erst noch der Karfreitag:

Karfreitagmorgen

Heute will ein alter Mensch
wiederum zu Grabe sterben,
und der neue soll von ihm
nichts als nur den Willen erben,
nach dem endlichen Gelingen
immer tiefer hinzudringen.

Hilf zu solchem Ziel auch d u
mit dem eignen Stirb und Werde!
Lass uns einig unsre Erde
läutern edlerm Stoffe zu!
Lass uns, liebes Lebensmein,
e i n e r Sehnsucht Flügel sein!

Christian Morgenstern
(Von http://www.christian-morgenstern.de)

Liebe Grüße

stilz
"Wenn wir Gott mehr lieben, als wir den Satan fürchten, ist Gott stärker in unseren Herzen. Fürchten wir aber den Satan mehr, als wir Gott lieben, dann ist der Satan stärker." (Erika Mitterer)

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Anna B.
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Re: "Die Hasenschule" oder: Gedicht zu Ostern

Beitrag von Anna B. » 22. Mär 2008, 12:22

... und noch ist etwas Zeit, dem Osterhasen beim Sammeln der Eier zu helfen :wink: :

Osterspiel

God fornojelse !

Anna :lol:
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